Ein Gespräch mit Herr Dr. Joachim Bauer
Lieber Herr Dr. Bauer, Sie waren über viele Jahre stellv. Leiter des Grünflächenamts und haben den Planungsprozess der Parkstadt Süd live miterlebt. Wie kam es dazu, dass es diese zwei Varianten gibt, zwischen denen jetzt eine Entscheidung getroffen werden soll?
„Wesentliches Ziel der städtebaulichen Überlegungen zur Entwicklung der Parkstadt Süd war und ist die Verlängerung des Inneren Grüngürtels im Süden der Stadt bis an den Rhein als öffentlich nutzbare Grünfläche. Aufbauend auf einem sehr intensiven Beteiligungsprozess hat das Büro RMPSL Landschaftsarchitekten in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt einen Entwurf zur Ausgestaltung der Grünfläche erarbeitet. Dieser Entwurf berücksichtigt eine Vielzahl von Nutzungsvorgaben, die sich aus der künftigen Bebauung ergeben (z.B. Bedarf an öffentlichen Spiel- und Sportgelegenheiten). Unter dieser Vorgabe wurde auch der sog. „Sporthof“ als öffentlich nutzbare Sportgelegenheit vorgeschlagen.“
Mit „künftigen Bebauung“ meinen Sie v.A. das neue Wohnviertel, das in der Parkstadt Süd entstehen soll? Richtig?
„Ja, richtig.“
Und wie kam nun der zweite Entwurf zustande, das Fußballfeld, die Variante „Sportfeld“?
„Die Variante Sportfeld ergab sich aus der städtebaulichen Diskussion zur Erweiterung der Universitätseinrichtungen. Hier sollten die vorhandenen Sportplätze zugunsten einer Randbebauung im Bereich Zülpicher Wall und zur Erweiterung des Inneren Grüngürtels aufgegeben werden. Ein Ausgleich für den Verlust der Sportflächen sollte in räumlicher Nähe nachgewiesen werden.“
Man hat das Feld also nur bereitgehalten, falls die Uni Bedarf angemeldet hätte?
„Richtig“
Inzwischen sind mit der Uni bereits andere Möglichkeiten diskutiert worden. Der Bedarf der Uni ist also für diese Entscheidung nicht mehr relevant.* Wie stehen Sie dazu, dass aktuell der Bedarf des SC Fortuna als Grund für den Bau des Großfußballfeldes herangezogen wird?
„In den zurückliegenden unterschiedlichen Planungsverfahren wurde kein Bedarf von Seiten des Sportamtes oder von SC Fortuna an einem Sportplatz im Bereich der geplanten öffentlichen Grünfläche Innerer Grüngürtel vorgetragen. Solche Bedarfe sollten ausschließlich über die geplante Neuausrichtung des Jean-Löring-Sportparks abgedeckt werden. Letztendlich ist dies auch das Ziel des Wettbewerbsverfahrens für den Sportpark. (vgl. Auslobungstext)
Ganz bewusst wurden beide Bereiche (Jean-Löring-Sportparks und Innerer Grüngürtel) voneinander getrennt und über jeweils eigene Verfahren (z.B. Wettbewerb) qualifiziert. Auch ist vorgesehen, dass beide Bereiche jeweils über eigene Bebauungspläne planungsrechtlich abgesichert werden. Dieses Vorgehen wurde bewusst gewählt um die unterschiedlichen Nutzungsvorgaben und planungsrechtlichen Erfordernisse (z.B. Lärm etc.) einer Bezirkssportanlage und einer öffentlichen Grünfläche voneinander zu trennen.„
SPD und FDP behaupten vehement, dass es Unterlagen gäbe, die den Bedarf der Fortuna belegen würden. Diese Dokumente werden jedoch seit Monaten angefragt und nicht geliefert. Glauben Sie, dass unabhängige Daten vorliegen, die das Fußballfeld rechtfertigen?
„Mir sind keine Bedarfsvorgaben bekannt.“
Was denken Sie, wie es dazu kommt, dass SPD, CDU und FDP für das Fußballfeld stimmen, obwohl es doch gar nicht benötigt wird?
„Die Variante Sportplatz wurde von Seiten der Verwaltung aus o.g. Gründen ausgearbeitet. Somit steht diese im Raum und der Rat der Stadt Köln kann sich hierfür entscheiden.“
Moment. Verstehe ich das richtig, dass die Parteien das Großfußballfeld beschließen könnten, obwohl es keinerlei Bedarfsgrundlage dafür gibt?
„Natürlich, grundsätzlich kann der Rat das, wenn die Mehrheit steht.“
Welche Vorteile sehen Sie – aus Ihrer Sicht – in der Variante „Sporthof“ im Vergleich zum geplanten Fußballfeld?
„Die Fortführung des Inneren Grüngürtels ist als öffentliche Grünfläche geplant. Hierfür wird ein eigenständiger Bebauungsplan aufgestellt. Die Nutzungsvorgaben für die Grünfläche sind aufgrund der Neubebauung sehr hoch (Nachweis von Spielangeboten, Versickerungsfläche für Regenwasser etc.) und werden sich flächenmäßig auswirken. Darüber hinaus soll auch ein attraktives Angebot für eine öffentliche Sportnutzung vorgesehen werden. Der Sporthof bietet hierfür die besten Voraussetzungen an der richtigen Stelle.
Sollte der Sporthof nicht verwirklicht und ein eingeschränkt nutzbarer Sportplatz vorgesehen werden, müsste ein öffentliches Sportangebot an anderer Stelle im Grüngürtel nachgewiesen werden.“
Welche Variante würden Sie sich persönlich wünschen? Beziehungsweise was würden Sie sich für die weitere Debatte und Entscheidungsfindung wünschen?
„Eine gute und offene Diskussion bei der der Wert öffentlich nutzbarer Frei- und Grünräume in einer dicht bebauten Großstadt deutlich hervorgehoben wird.“
(August 2025)
Quelle: * https://buergerinfo.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=1038811&type=do
Unterlagen zur Bedarfsanalyse und Planung des Jean-Löring Parks:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=118106
Interview führte Ella Brauer
